Als das Debian-Projekt anwuchs wurde deutlich, dass eine Grundmenge an halb-formalen Regeln benötigt wurde, um Konflikte besser lösen zu können. Deshalb wurde die Verfassung geschrieben. Die Debian-Verfassung beschreibt die Organisationsstruktur für formale Entscheidungen innerhalb des Projekts. Die Verfassung beschreibt, wer Entscheidungen treffen kann und welche Macht die einzelnen entscheidungsbefugten Personen oder Gruppen haben. Das Büro des Schriftführers ist eine der sechs Entitäten, die in der Verfassung als entscheidungsbefugt aufgelistet werden.
Jeder Debian-Entwickler kann zum Projekt-Schriftführer ernannt werden. Jede Person kann mehrere Ämter innehaben, der Schriftführer kann allerdings nicht gleichzeitig der Debian-Projekt-Leiter oder der Vorsitzende des Technischen Ausschusses sein.
Anders als andere Delegierte, die durch den Projekt-Leiter ernannt werden, wird der nächste Schriftführer durch den Projekt-Leiter und den aktuellen Schriftführer ernannt. Wenn der Schriftführer und der Projekt-Leiter sich nicht einigen können, müssen sie die Entwickler mittels eines allgemeinen Beschlusses darum bitten, einen Schriftführer zu ernennen.
Die Amtszeit des Schriftführers ist ein Jahr, danach muss er oder ein anderer Schriftführer (wieder)ernannt werden.
Die am stärksten wahrgenommene Aufgabe des Schriftführers ist die Leitung von Wahlen für das Projekt – vor allem die Wahl des Projekt-Leiters, aber auch jede andere Wahl, die stattfindet (z.B. Generelle Resolutionen). Das Leiten einer Wahl beinhaltet auch das Bestimmen der Anzahl und Identität der Wahlberechtigten, um die notwendige Wahlbeteiligung festzustellen.
Der Schriftführer kann zusammen mit dem Vorsitzenden des Technischen Ausschusses den Projekt-Leiter vertreten. Zusammen können Sie Entscheidungen fällen, wenn sie es für unumgänglich halten – aber nur, wenn es absolut nötig ist und die Entscheidung einem Konsens der Entwickler entspricht.
Wenn es keinen Schriftführer gibt oder der aktuelle Schriftführer nicht verfügbar ist und seine Autorität nicht an jemanden delegiert hat, kann die Entscheidung durch den Vorsitzenden des Technischen Ausschusses in Vertretung des Schriftführers getroffen oder delegiert werden.
Der Schriftführer ist dafür verantwortlich, in Streitfällen über die Auslegung der Verfassung ein Urteil zu fällen.
Kontaktieren Sie den Debian-Projekt-Schriftführer durch E-Mails in Englisch an secretary@debian.org.
Der aktuelle Schriftführer ist Manoj Srivastava <srivasta@debian.org>. Manoj beschäftigt sich seit 1987 mit freier Software, seit 1993 mit Linux und war Debian-Entwickler seit November 1995. Manoj ist ausgebildeter Elektroingenieur (Festkörper-Bauelemente, um genau zu sein) und kam erst nachträglich zu den Computern. (Hauptsächlich, weil er in seinem Innersten kein Wissenschaftler war und nicht mit der Psyche von Elektronen umgehen konnte – wie z.B. dass Elektronen nicht in Wellenverhalten zurückkehren, obwohl der Elektronenzähler entlang des Strahls ausgeschaltet - und ausgestöpselt - ist, weil Elektronen wissen, dass wir Menschen trickreich sind.)
Manoj ist Schriftführer seit April 2001; er übernahm das Amt, nachdem der vorherige Schriftführer, Darren Benham, aus dem Projekt ausgeschieden war. Neben seiner Tätigkeit als Schriftführer ist Manoj auch Mitglied des Technischen Ausschusses, sitzt in den Vorständen von SPI und OpenDCE, ist einer der Richtlinien-Editoren und betreut 17 Pakete (eines davon ist nicht frei).
Nachdem er seiner Frau von New England in das Herz von Dixie (Mobile, AL, USA) gefolgt war, hat Manoj sich nun in Tennessee niedergelassen (dabei wieder seiner Gattin folgend) in einem Haus auf grünen Hügeln am Rande des Hochlands des Cumberland-Plateaus, zusammen mit einer Herde von Rehen.
Aufgrund der Entlegenheit seiner Wohnorte hat Manoj Telearbeit geleistet, seit er 1996 die Universität von Massachusetts verlassen hat. Er startete als Berater für DEC und arbeitete danach als Programmierer in der Forschung für verschiedene kleine Unternehmen, die mit Unterstützung der DARPA arbeiteten. Seit er sein eigenes entferntes Büro betreiben musste, hat Freie Software (und Debian) es ihm erleichtert, seine Brötchen zu verdienen. Er hatte sogar das Glück, dass er in seinem normalen Job an Freier Software arbeiten konnte.